... habe ich mein ganzes Leben gewartet

Shownotes

Darum geht's in dieser Folge:

  • Warum ich das Gefühl hatte, mein ganzes Leben auf den richtigen Moment zu warten
  • Weshalb Kinder uns zeigen, wie sehr wir das Leben im Hier und Jetzt verlernt haben
  • Wie frühe Erfahrungen unser Denken über Sicherheit und Mangel prägen können
  • Darum, dass Dankbarkeit keine Probleme löst – aber unseren Blick verändern kann
  • Weshalb der perfekte Zeitpunkt vielleicht nie kommt

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Transkript anzeigen

00:00:02: Es ist nicht wenig, es ist nicht schwer.

00:00:05: Du kannst es hoffen!

00:00:07: Aber hoffe nicht so sehr.

00:00:09: Vielleicht dein Podcast für neue Blickwinkel aufs Leben?

00:00:15: Vielleicht habe ich mein ganzes Leben lang gewartet.

00:00:22: Ich glaube, ich habe mein ganzem Leben lang auf den perfekten Moment gewartet gar nicht bewusst aber immer mit diesem Gedanken wenn erst Wenn ich erst wieder schlank bin wenn die Schulden weg sind, wenn beruflich alles sicher ist.

00:00:40: Wenn ich mich endlich bereit fühle dann beginnt mein richtiges Leben.

00:00:45: und vor ein paar Tagen ist mir jetzt aufgefallen dass ich glaube ich gar nicht auf einen Moment gewartet habe.

00:00:52: Ich hab darauf gewartet das mir irgendjemand dir erlauben es gibt glücklich zu sein!

00:00:58: Dass endlich jemand kommt und sagt so jetzt bist du dran So, und was jetzt wenn dieser Moment nie kommt?

00:01:06: Und was wenn das Leben auf das wir warten längst begonnen hat?

00:01:10: Darüber möchte ich heute mit dir sprechen.

00:01:17: Vielleicht kennst du dieses Gefühl, dass dein Leben irgendwann anfängt – nicht heute wahrscheinlich auch nächste Woche aber irgendwann.

00:01:26: Irgendwann fängt es schon an!

00:01:28: Ich glaube ich habe mein ganzes erwachsenen Leben auf irgendwas gewartet darauf wieder schlank zu sein damit ich mir ein Tattoo stechen lassen kann.

00:01:38: Darauf wieder zu tanzen, weil ich das ja erst kann wenn ich wieder schlank und in Form bin!

00:01:43: Darauf dass die Schulden weg sind.

00:01:45: Daruf, dass mein Beruf auch tatsächlich weiterhin sicher bleibt Und darauf, dass irgendwann jemand kommt... ...und mir das Leben erklärt Dass irgendwann jemand kommt und mir die Erlaubnis gibt.

00:01:58: Jetzt darfst du glücklich sein Jetzt wird alles gut.

00:02:04: Ja, so ein bisschen wie dieser Prinz mit seinem Gaul.

00:02:07: Ich weiß nicht ob ihr das Bild kennt.

00:02:08: ich lieb's ja!

00:02:10: Ich warte auf den Prinz Mit seinem Gaull.

00:02:12: Ich weiss es nicht wo es herkommt aber tatsächlich stelle ich in letzter Zeit immer öfter fest dass ich genau so lebe und das möchte ich jetzt ändern.

00:02:25: von paar Tagen habe ich mit meinem Sohn Fußball gespielt oder besser gesagt er hat Fußball gespielt und ich hatte keinen Bock.

00:02:33: Er stand super motiviert im Wohnzimmer, hat seine gesamte Fußballkluffe rausgeholt.

00:02:37: Hat den Ball in der Hand gehabt und hat schon angefangen hier ganz wild zu kicken und zu dribbeln und gesagt, Mama, komm raus mit mir!

00:02:43: Ich will Fußball

00:02:43: spielen!".

00:02:45: Und ich feier das.

00:02:46: Ich finde es super, dass er das möchte und ich liebe es wenn jemand eine Leidenschaft hat und ich möchte, dass meinem Sohn auf jeden Fall auch ermöglichen seiner Leidschaft so gut es geht auszukosten.

00:02:57: Da bin ich total dabei.

00:02:59: aber in dem Moment habe ich mir einfach nur gedacht oh nee kein Bock Da habe ich doch gerade überhaupt keinen Kopf dafür.

00:03:04: Und das ist tatsächlich so ein Gedanke, den habe ich viel zu oft.

00:03:07: Ich hab kein Kopf dafür.

00:03:09: Darauf kann ich mich grad gar nicht konzentrieren Weil in meinem Kopf einfach viel zu viele Tabs gleichzeitig offen sind.

00:03:16: Natürlich bin ich dann trotzdem mit ihm raus.

00:03:18: Ich bin ja froh dass er nach draußen möchte Dass er aktiv sein möchte.

00:03:22: Ich möchte ihm das alles auch auf jeden Fall immer positiv In Erinnerung behalten und habe mich dazu gezogen mit ihm Fußball zu spielen.

00:03:30: Und irgendwann habe ich, während ich so in meinem Sog das Ich hab hier grad gar keinen Kopf dafür war gemerkt wie krass er eigentlich gerade im Spiel ist.

00:03:40: Er war voll bei der Sache.

00:03:42: für ihn gab es in diesem Moment nichts anderes als diesen Fußball.

00:03:45: wer hat den hin und her geschossen einen Tor nach dem anderen?

00:03:49: Hat mich angestachelt auch Tore zu schießen und vorwärtszugehen und Mama du musst jetzt mal den Ball wegnehmen versuch mir mit dem Ball wegzunehmen!

00:03:56: Hat mir irgendwelche Tricks gezeigt die ihm seinen Kumpel beigebracht hat.

00:03:59: Und er war einfach zu einhundert Prozent voll in diesem Spiel und es gab absolut gar nichts anderes für ihn.

00:04:07: Und da habe ich mir gedacht, krass!

00:04:08: Hey das konnte ich doch auch mal... Ich hab mich gefragt wann ich eigentlich verlernt habe einmal voll und ganz mich in einem Moment zu verlieren?

00:04:19: Ja meine Gedanken drehen sie darum was muss ich heute noch machen?

00:04:22: bin nicht mit der Arbeit mit allem fertig oder muss sich vielleicht nachher nochmal an den PC?

00:04:27: Was kochen wir zu Abend?

00:04:28: Ist die Spielmaschine ausgeräumt.

00:04:30: Oh shit, ich muss ja eigentlich noch einkaufen.

00:04:31: und ach verdammt nächste Woche sind wir auf dem Geburtstag.

00:04:33: Ich brauche noch ein Geschenk!

00:04:34: Und das geht und dreht sich, und drehlt sich, umdreht sich... Und da stand ich dann plötzlich da und hat mir gedacht ne komm versuch doch mal alle anderen Gedanken auszuschalten und dich auch mal nur auf dieses Spiel zu konzentrieren.

00:04:48: Das habe ich dann gemacht und es war Toll, es ist mir nicht leicht gefallen.

00:04:52: Hat auch eine Zeit lang gedauert bis ich dann wirklich drin war aber ich habe mich auf dieses Spiel eingelassen Ich hab mitgespielt und ich hatte wirklich Spaß Und ich habs echt genossen und das hat mich dann auch wirklich tagelang noch verfolgt.

00:05:04: diese Frage Wann habe ich eigentlich aufgehört einfach zu spielen?

00:05:09: Nicht nur Fußball sondern das Leben!

00:05:11: Und ich glaube dass ist keine Sache die wir irgendwie absichtlich machen oder die wir steuern können.

00:05:14: Das ist ne Sache die passiert einfach.

00:05:17: wenn ich aus mein eigenes Leben schaue dann gab es lange dieses Gefühl, es reicht nicht.

00:05:22: Da fehlt noch was und automatisch muss ich an eurer Ehrlicherweise auch immer in meine Kindheit denken.

00:05:28: Das war so ein Ding das begleitet mich.

00:05:31: seit damals.

00:05:32: als wir in der Schule Bücher kaufen mussten habe ich jedes mal eine halbe Panikattacke bekommen weil ich mir dachte shit schon wieder ein Buch kaufen, schon wieder Geld ausgeben.

00:05:41: Haben wir überhaupt so viel Geld?

00:05:42: Oh Gott!

00:05:43: Hoffentlich geht das, hoffentlich geht es und ich kann ehrlich gesagt nicht sagen woher das kamen.

00:05:47: Wir sind keine wirklich arme Familie, wir sind aber auch keine besonders reiche Familie, aber irgendwie war Geld bei uns immer ein Thema und Geld war für mich tatsächlich immer irgendwie negativ behaftet und es war irgendwie gefühlt nie genug da obwohl es mir ehrlicherweise an nichts gefehlt hat.

00:06:01: Aber wenn man über Geld gesprochen hat oder wenn es einfach um Geld ging, war das immer irgendwie negative behaftet Und solche Momente wirken jetzt vielleicht erst mal irgendwie klein und ihr fragt euch jetzt auch gerade, hey was hat das denn mit ihrer anfänglichen Geschichte zu tun?

00:06:17: Aber ich glaube es sind genau solche Momen die genau solche Spuren hinterlassen.

00:06:21: Wir lernen dadurch irgendwann.

00:06:23: erst wenn genug da ist darf ich mich entspannen.

00:06:29: Erst wenn alles gelöst ist darf glücklich sein.

00:06:33: So und jetzt habe ich vor ein paar Jahren Ziemlich ein Tiefpunkt in meinem Leben war, über den ich euch bestimmt irgendwann auch noch mehr erzählen werde.

00:06:39: Er würde heute den Rahmen sprengen, mich mit einer Freundin unterhalten, mit der ich gemeinsam so Coachings für Jugendliche gemacht hatte und die hatte damals angefangen, Happiness-Coachings zu geben und hatte mich dann gefragt ob ich nicht an ihrer Testkunden sein wollte.

00:06:54: Dieses Happiness-Coching ging über sechs Wochen und Inhalt waren Elemente der positiven Psychologie Ehrlicherweise noch nie beschäftigt hatte.

00:07:03: Ich kannte die gar nicht, hab mir damals als sie mir erzählt hat auch erst mal gesagt, es klingt nach ganz schön Hokus Pokus, habe mich aber darauf eingelassen und ich hatte auch ehrlichererweise kaum eine andere Wahl.

00:07:11: Ich war einfach überhaupt dankbar, dass das sich erstens einmal die Woche diese Zeit hatte für mich selbst und dass ich einmal die Woche meine Gedanken komplett woanders hinsteuern durfte.

00:07:23: Und ein großer Teil dieses Happiness Coachings war das Thema Dankbarkeit.

00:07:27: Das fand ich damals auch ziemlich komisch.

00:07:29: Sie hat mir eine Aufgabe gegeben... Ich sollte drei Dinge aufschreiben, für die ich an einem Tag dankbar war.

00:07:34: Und das sollte ich jeden Tag machen während des gesamten Coachings.

00:07:37: Fand ich erst mal so ein bisschen... naja bringt es denn jetzt überhaupt was?

00:07:42: Sollte das jetzt alle meine Probleme lösen?

00:07:44: aber das war überhaupt nicht der Intention mehr als kann!

00:07:47: Nicht alle unsere Probleme lösten natürlich nicht Aber das habe ich irgendwann verstanden.

00:07:51: darum geht's gar nicht.

00:07:53: Ja das ist nämlich so'n Ding.

00:07:54: unser Gehirn ist wahnsinnig gut darin Probleme zu finden.

00:07:58: Du kannst in einer Person fünf Dinge an den Kopf werfen, die supergut waren.

00:08:04: Die sie toll gemacht hat und die so ganz großartig an dir findest.

00:08:08: Und dann noch eine schlechte Was bleibt der Person in Erinnerung?

00:08:12: Höchstwahrscheinlich die Schlechte.

00:08:14: Ja das hat uns früher vielleicht geholfen zu überleben.

00:08:17: Das war vielleicht irgendwie ein lebensnotwendiges Ding in unserem Gehirn.

00:08:22: Aber heute wird es oft eher dazu Dass wir ständig eher das sehen was noch fehlt.

00:08:29: Wir brauchen mehr Geld, mehr Zeit, mehr Sicherheit, mehr irgendwas und manchmal vergessen wir dabei völlig dass unser Leben währenddessen eigentlich die ganze zeit weiterläuft und das unser leben auch leider nicht unendlich ist.

00:08:43: ja also wenn nicht jetzt wann dann?

00:08:45: ich warte heute ehrlich gesagt immer noch.

00:08:48: dieser gedanke dass irgendwann jemand kommt meine hand nimmt und mir sagt jasmine jetzt wird alles gut Den habe ich immer noch, der wird ja verfolgt mich.

00:08:55: Den werde ich wahrscheinlich so schnell auch nicht los!

00:08:57: Aber... Ich bemerke es inzwischen wenn der Gedanke kommt und ich versuche ihn jetzt bewusst zu unterbrechen Und allein das ändert schon was.

00:09:04: Ja, ich habe früher oft darauf gewartet dass jemand kommt Dass jemand mir sagt So geht Leben.

00:09:11: Macht das?

00:09:12: Dann wird alles gut.

00:09:13: Inzwischen glaube ich vielleicht wird gar niemand kommen.

00:09:16: Das ist gar keine traurige Erkenntnis.

00:09:18: Es ist eigentlich sogar eine sehr sehr befreiende Erkenntniss Weil vielleicht habe ich die ganze Zeit nur auf mich selbst gewartet.

00:09:27: Und vielleicht beginnt das Leben gar nicht erst dann, wenn alles perfekt ist?

00:09:32: Vielleicht beginnt es in dem Moment, in dem wir aufhören auf den perfekten Moment zu warten!

00:09:39: Ich möchte dir heute wieder zwei kleine Fragen mitgeben.

00:09:42: Die erste ist worauf wartest du gerade und was davon?

00:09:50: könntest du heute schon ein kleines Stück Leben.

00:09:55: Mini-Schritte, es braucht gar nicht viel!

00:09:57: Aber ein kleites Stück.

00:10:00: vielleicht nicht das Tattoo?

00:10:01: Vielleicht noch nicht die schuldenfreie Zukunft aber vielleicht ein Lied zu dem du tanzt?

00:10:10: Vielleicht zehn Minuten mit deinem Kind ohne aufs Handy zu schauen oder vielleicht schreibst du dir einfach drei Dinge auf für die du heute dankbar bist – nicht weil dadurch plötzlich alles gut wird Sondern mal das Gute, vielleicht längst da ist.

00:10:34: Schön dass du heute dabei warst!

00:10:37: Nimm mit was für dich passt und lass hier was nicht deins ist Und vielleicht hören wir uns ja nächsten Freitag wieder.

00:10:45: Bis dahin Vielleicht.

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