Vielleicht entschuldigst du dich für Dinge, die nie ein Problem waren
Shownotes
In dieser Folge geht es um:
- Warum wir uns manchmal für unsere Bedürfnisse entschuldigen.
- Weshalb ein „Sorry“ oft eher eine Versicherung als eine Entschuldigung ist.
- Wie Kindheit und frühe Erfahrungen unser Verhalten bis heute beeinflussen können.
- Warum das Gegenteil von Entschuldigen vielleicht gar nicht Egoismus ist.
- Ein kleines Experiment, das ich diese Woche selbst ausprobieren möchte – und zu dem ich dich herzlich einlade.
Transkript anzeigen
00:00:02: Es ist nicht wenig, es ist nicht schwer.
00:00:05: Du kannst es hoffen!
00:00:07: Aber hoffe nicht so sehr.
00:00:09: Vielleicht dein Podcast für neue Blickwinkel aufs Leben?
00:00:34: Also ich kenne sie ganz gut und fange gerade erst an, sie zu hinterfragen.
00:00:39: Ich bin momentan in einem Coaching und meine Coaching hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich ein bisschen zu oft entschuldige.
00:00:47: Sie hat inzwischen sogar eine Art Spendenkasse eingeführt, hinterher Geld sammeln... Und mir ist es dadurch zum ersten Mal bewusst geworden, das ich tatsächlich ein Mensch bin der sich für alles und jeden den ganzen Tag Entschuldigt.
00:01:02: Und irgendwie frage ich mich jetzt, woher das kommt und wofür entschuldige ich mich hier eigentlich die ganze Zeit?
00:01:09: Darüber möchte ich heute mit dir sprechen.
00:01:20: Entschuligungen sind ja erstmal was Schönes, was Gutes und was auch Notwendiges.
00:01:25: Ja wenn ich zum Beispiel jemanden verletze oder einen Fehler mache dann kann ich mich dafür entschuligen für meinen Fehlverhalten oder dafür dass ich jemandem wehgetan habe.
00:01:34: Das finde ich nach wie vor super wichtig.
00:01:36: Das ist auch eine Sache, die kann tatsächlich nicht jeder.
00:01:39: Und ich finde das ein sehr wichtiger und guter Charakterzug, dass man sich seine Fehler eingestehen zu entstehen und dafür gerade stehen kann vor allem.
00:01:49: Bei mir nimmt das Ganze aber manchmal so ein bisschen extreme Züge an.
00:01:53: Es geht schon in die Richtung Entschuldigung, dass ich existiere.
00:01:57: Ich habe mich die letzten Tage gefragt was steckt denn eigentlich hinter all diesen Entschuligungen?
00:02:03: Und wenn man so drüber nachdenkt, das sind ja oft ganz banale Alltagssituationen.
00:02:07: Dann ist es ganz bestimmt nicht wirkliche Schuld.
00:02:11: Bei mir persönlich ist es tatsächlich eher so ein Thema.
00:02:14: ich möchte niemandem zur Last fallen.
00:02:18: Ich möchte möglichst wenig Raum einnehmen mich klein machen Nicht zu auffällig sein und wenn ich darüber nachdenke habe ich automatisch einige Situation aus meiner Kindheit vor Augen, vielleicht ein kurzer Exkurs dorthin.
00:02:34: Ich war eigentlich ein eher lautes Kind und ich war sehr lebensfroh, würde ich jetzt mal behaupten.
00:02:39: Sehr aufgeweckt, sehr aufgeschlossen, offen... Ich habe jeden Quatsch mitgemacht!
00:02:44: Ich hab gern gesungen, ich habe gern gespielt.
00:02:46: Ich habe alles Mögliche gemacht aber ich habe immer wieder die Rückmeldung bekommen dass ich zu laut bin.
00:02:51: Sei es von Erwachsenen oder auch von anderen Kindern.
00:02:54: das ging auch in meiner Jugend so weiter.
00:02:55: als ich, ich glaube, vierzehn war wurde ich von der Klicke ausgeschlossen, weil ich ihnen zu laut war und sie das kindisch fanden.
00:03:03: Und so hat irgendwie dieses Laut sein und dieses Raumeinnehmen für mich immer irgendwas mit Angst zu tun und Angst vor Zurückweisung, Angst vor Ablehnungen weil ich sie tatsächlich erlebt habe.
00:03:16: Ein Kind nimmt das was die Eltern ihm sagen genauso auf wie es die Eltern sagen ein kind kann noch nicht um die Ecke denken ein Kind kann doch nicht unterscheiden ist dass jetzt ernst gemeint ist das Eronies, das Sakasmus?
00:03:27: bedeutet das vielleicht etwas ganz anderes als meine Eltern eigentlich damit aussagen wollen?
00:03:32: Und da hab' ich auch wieder so ein Beispiel Als ich klein war gab es gerade diese Werbung im Fernsehen vom Disneyland Paris.
00:03:41: Und da fragt am Schluss eine Stimme, kennen Sie jemanden der nicht davon träumt?
00:03:47: Und ich total begeistert losgerannt zu meiner Tante oder zu meiner Cousine und da wäre auch immer gerade um mich umwahrsagt.
00:03:53: Ich würde auch so gern vom Disneyland träumen aber das passiert einfach nicht!
00:03:58: Also alles was wir unseren Kindern sagen oder an den Kopf werfen wird früher oder später zu ihrer Wahrheit und damit irgendwie auch zu ihrer Welt.
00:04:09: Wenn ich so drüber nachdenke, entschuldige mich manchmal vielleicht gar nicht weil ich wirklich was falsch gemacht habe sondern weil ich verhindern möchte dass jemand schlecht über mich denkt.
00:04:20: und dahinter steckt jetzt ganz tief liegende Angst die ich irgendwo mitgenommen hab wahrscheinlich davor das mich jemanden nicht mögen könnte vor Ablehnung oder eben auch weil man ja auch nicht möchte Dass das schon so was, was auch mir als Kind noch wirklich eingebleut wurde mit du musst höflich sein.
00:04:42: Du musst den generellen gesellschaftlichen Regeln irgendwie folgen.
00:04:46: Ja und wenn ich jetzt zum Beispiel sage tut mir leid für die späte Antwort dann ist es eher so ein bitte denk jetzt bloß nicht dass ich unhöflich bin.
00:04:54: Und damit nutze ich die Entschuldigung vielleicht auch als eine Art Versicherung um zu verhindern, dass jemand anderes ein negatives Bild von mir haben könnte.
00:05:02: Ich glaube das ist etwas was tatsächlich viele Menschen kennen Was mich aber auch beschäftigt, das wieder so den nächsten Schritt in Entschuldigung.
00:05:10: Zum Beispiel jetzt dieses Sorry dass ich störe.
00:05:12: Ja da habe.
00:05:13: ja wenn ich das sage dann möchte ich ja was von der Person haben.
00:05:16: Ich hab ein Bedürfnis wahrscheinlich, ich brauche Hilfe oder ich habe eine Frage Aber bevor ich diese Bedürfe überhaupt anspreche entschuldige ich mich schon dafür.
00:05:26: Ähnlich bei Sorry ich rede so viel.
00:05:29: Eigentlich brauche ich in dem Moment vielleicht Raum.
00:05:32: Ja und anstatt zu sagen dass mir dieses Thema über das ich sprechen möchte.
00:05:35: Wichtig ist, zeige ich erst mal Entschuldigung!
00:05:38: Vielleicht entschuldigen wir uns manchmal gar nicht für unser Verhalten sondern für unsere Bedürfnisse.
00:05:44: und was sich gerade jetzt in meiner Funktion auch als Chefin und auch in Zeiten beruflichen Wandels vielleicht gelernt habe, dass wir Frauen schon manchmal ein bisschen schlechter verkaufen als Männer Weil wir werden ja dann auch dafür gelobt, dass wir so angenehm sind.
00:06:01: Keine Zicken!
00:06:01: Weil sobald eine Frau ihre Bedürfnisse klar ausdrückt ist sie ja ne Zicke.
00:06:05: Und da hat man wirklich aufgefallen Frauen entschuldigen sich ganz oft für Dinge Für die Männer niemals auf die Idee kämen sich zu entschuligen.
00:06:12: und das ist so ein System glaube ich.
00:06:15: was dahinter steckt.
00:06:17: Wir Frauen werden eben dafür geloppt und wird gesagt Mensch toll du bist so unkompliziert.
00:06:22: Also wir werden dafür gelopt angenehmen zu sein.
00:06:26: Aber wir werden gelobt, dass wir lieb sind.
00:06:27: Dass wir höflich sind.
00:06:29: Das wir nicht anecken und durch dieses Lob... Ja es ist nicht mal Kritik sondern Lob!
00:06:34: Durch dieses Lob lernen wir wieder.
00:06:36: okay cool die Leute mögen mich, die Leute finden mich toll wenn ich möglichst wenig Raum einnehme.
00:06:43: Und hier möchte ich gerne nochmal ein kleines vielleicht reinwerfen.
00:06:47: Vielleicht ist das Gegenteil von Entschuldigen gar nicht Ekoismus.
00:06:52: Aber mir ist es nämlich so, ich habe immer das Bedürfnis mich zu entschuldigen und hab Angst, dass wenn ich mich weniger entschulige, dass ich arrogant wirken könnte.
00:07:00: Aber tatsächlich, wenn man drüber nachdenkt gerade in diesen Alltagssituationen ist die Message ja nicht du bist arrogant sondern du hast bedürfnisse und ich darf Bedürfenisse haben.
00:07:11: Ich darf Fragen stellen, ich darf Zeit brauchen, ich Darf reden, ich darf Platz einnehmen und zwar ohne mich vorher kleinzumachen.
00:07:19: Und jetzt stell dir mal vor, dein bester Freund sagt zu dir Sorry dass ich störe.
00:07:26: Was würdest du jetzt denken?
00:07:28: Ja stimmt, stößt mich Gut das würde dich entschuldigst.
00:07:32: Oder würdest ihr eher sagen So ein Quatsch Du stößtest doch gar nicht.
00:07:37: Warum also sagen wir zu uns selbst solche Dinge?
00:07:40: Vielleicht behandeln wir und selbst oft viel viel strenger Als die Menschen die wir lieben.
00:07:45: und da kommen wir auch wieder so einem Thema Selbstliebe Punkt, der mir tatsächlich sehr schwer fällt.
00:07:52: Denen wir aber vielleicht einfach viel öfter möglich praktizieren sollten.
00:07:56: und jetzt habe ich ein kleines Experiment für dich natürlich.
00:07:59: Ich möchte jetzt nämlich zum Beispiel anfangen mir eine Frage zu stellen Und zwar immer wenn ich sorry oder Entschuldigung sage möchte ich mich fragen Habe ich gerade wirklich was falsch gemacht?
00:08:13: Wenn die Antwort nein ist dann versuche ich den Satz umzubauen.
00:08:19: So möchte ich aus einem Sorry dass ich störe Ein, hast du kurz Zeit machen.
00:08:25: Aus tut mir Leid für die späte Antwort ein Danke für deine Geduld und aus einem Sorry ich rede so viel ein danke dass Du mir zuhörst.
00:08:35: Es sind im Endeffekt ähnliche Aussagen die auf ein ähnliches Ziel einzahlen aber Die Formulierung ist viel viel positiver Ist ja eigentlich schon mal aufgefallen das wir uns fast nie Für unsere Stärken entschuldigen.
00:08:52: Also ich habe noch nie gesagt, sorry dass ich so zuverlässig bin.
00:08:54: Tut mir leid das ich so gut zuhören kann.
00:08:58: also Ich und ich glaube wir alle entschuldigen uns vor allem dann wenn wir glauben Dass wir jemand anderem gerade zur Last fallen könnten.
00:09:06: Und deshalb möchte ich dich jetzt zu einem kleinen experiment einladen.
00:09:11: Vielleicht beobachtest du morgen einfach mal Wann Du Sorry oder Entschuldigung sagst?
00:09:18: Und anstatt dich sofort zu korrigieren Frage Dich Wovor wollte ich mich in diesem Moment eigentlich schützen?
00:09:27: Weil, ich glaube manchmal und das sogar ganz oft, schützt die Entschuldigung gar nicht den anderen.
00:09:32: Sondern sie schütze unser eigenes Bild davon wie wir auf andere Wirken möchten.
00:09:39: Und ich glaube genau diese Erkenntnis ist das was ich dir heute mitgeben möchte.
00:09:44: Vielleicht geht es gar nicht darum nie wieder Sorry zu sagen Ganz bestimmt sogar nicht.
00:09:50: Vielleicht geht es eher darum zu merken, wann wir uns für Dinge entschuldigen.
00:09:55: Für die wir uns nie hätten entschouldigen müssen.
00:10:02: Schön dass du heute dabei warst!
00:10:04: Nimm mit was für dich passt und lass hier was nicht deins ist Und vielleicht hören wir uns ja nächsten Freitag wieder.
00:10:12: Bis dahin... vielleicht.
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